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Wolfaustreiben
Wolfaustreiben„Gruselig" ist eines der erst genannten Wörter, das die Lichtenecker Kindern sagen, wenn man sie fragt, was ihnen zum Wolfaustreiben einfällt.
Es ist November, ein Tag vor Martini, die Sonne ist schon vor einer Stunde untergegangen und es ist kalt. Die Mädchen und Buben von Lichteneck ziehen sich warm an und gehen aus dem Haus. Sie versammeln sich, wie auch beim Ratschen, in zwei Gruppen: eine Dorfgruppe und eine Siedlungsgruppe. Dabei ist fast jedes Kind. Ab der 1. Klasse ist das Mitmachen erlaubt. Die Teilnehmer sind meist dieselben, die auch in der Osterwoche beim „Ratschen" eifrig mitmachen.
Die Dorfgruppe findet sich beim Bart Anton ein. Die untere Gruppe trifft sich in der Siedlung. Die Jüngeren werden mit „Antons" Kuhglocken ausgestattet. Leider sind nicht immer alle passenden Größen in ausreichender Anzahl vorhanden. Dennoch hängen sich die „Schafe" die Glocken um den Hals und ziehen, von Hirten beschützt, durch das Dorf. Auf manchen Wiesen am Dorfrand „weiden" sie. Während dessen sind die Hirten immer auf der Hut, weil die „Wölfe", gespielt von einigen Älteren, versuchen, eines ihrer „Schafe" zu „reißen". Die Hirten haben sich für ihre Aufgabe mit selbst angefertigten „Goaßln" (Peitschen) ausgestattet. Sie vertreiben damit die auf der Lauer liegenden Wölfe. Gegen 18.00 Uhr beginnt das Nerven aufreibende Spiel. Es ist bereits stockdunkel, und die Kleinsten kostet die Teilnahme viel Mut und Überwindung. Aber letztendlich überwiegt doch der Spaß und schließlich möchte man auch dabei sein, zu den Großen gehören.
An drei Abenden wiederholt sich das Treiben. Die Siedlungsgruppe sammelt am letzten Tag bei den Bewohnern „Hirtengeld". Bei der Dorfgruppe war dies beim Wolfaustreiben nie Brauch. Hier ist man der Meinung, dass die Mühen mit dem erwarteten Ratscherlohn abgegolten sind.
Dass ihr Spiel einem alten Ritual folgt, ist wohl den wenigstens Kindern bekannt.
Lois Treml, Heimatschriftsteller des Bayerischen Waldes, führt in einer heimatkundlichen Veröffentlichung aus: „Als Bär, Luchs und Wolf die großen Feinde der Ansiedlungen waren, halfen sich die Bauern dadurch, dass sie dem weidenden Vieh dumpf tönende Glocken und Schellen um hingen, die das Raubtier von der Herde fernhalten sollten. Die Hirten schwangen ihre langen Peitschen und auch dieses Knallen hielt den lauernden Feind am Waldrand zurück. Oft mussten auch die Bauern mithelfen, das reißende Tier vom Weidebereich fern zu halten, und so zogen sie dann mit Lärm schlagenden Geräten um die Weidentrift."
Erwachsene sind beim Brauch des Wolfaustreibens nicht mit eingebunden. Allerdings stellen sie an der Bundesstraße Warndreiecke auf, da die Kinder diese mehrfach überqueren müssen.
Auch Maskierungen, Hirtensprüche oder das Goaßlschnalzen wurden bei uns nicht überliefert.
Meist wird nach dem Wolfaustreiben noch im Dorf geblieben. Die Großen haben nämlich meist noch viele Neuigkeiten auszutauschen, und die Kleinen wollen sich noch beim „Fangal-Spielen" austoben.
Beschreibung Bild/Dorfgruppe 2012:(jeweils von links)
Vordergrund:
Rothkopf Leopold, Kölbl Andreas, Müller Sarah
Hintere Reihe:
Fuchs Jonathan, Koller Daniel, Jäger Christoph, Janka Simon, Biebl Elena, Fuchs Magdalena, Kölbl Michael
Stichpunkte:
Wolfauslassen
Quellen:
Lois Treml, So is´bei uns da Brauch, Erzählungen, Verse und Beschreibungen des Brauchtums im Bayerischen Wald, Neue Presse Verlags-GmbH, Passau, Lektorat:Volker Stutzer, ISBN-3-924484-30-9, Seite 51,52.
